Von Horseman zu HORSEMAN!

Mit dem neuen Jahr möchten wir auch Eure Meinung zu Artikeln im HORSEMAN und zu Themen rund ums Pferd veröffentlichen. Die Idee ist, Aktuelles und Wissenswertes aufzugreifen, Fragen zu beantworten oder Trends zu beleuchten. Themen, die Euch wichtig sind oder für andere HORSEMEN wichtig sein könnten, Tipps oder Produkte, oder auch mal einen außergewöhnlichen HORSEMAN vorstellen. Von HORSEMAN zu HORSEMAN soll Eure Rubrik werden.

Wo kann eine Lahmheit vorne herkommen= Eine Frage von Werner K. aus Hamm

Hallo liebes Horseman-Expertenteam,

Liebes HORSEMAN Experten Team, danke schon mal für den tollen HORSEMAN jeden Monat. Ich konnte schon einiges in meinem Training umsetzen und als männlicher Späteinsteiger auch viel dazu lernen, bzw. haben mir Eure langen, aber damit sehr auf den Punkt gebrachten, Artikeln schon einige Fragen beantworten können. Nun habe ich aber eine Frage die mich, bzw. mein Pferd persönlich betrifft. Seit nun fast zwei Wochen geht mein Pferd rechts vorne leicht lahm und ist nicht reitbar. Unser Tierarzt konnte aber keinen eindeutigen Befund feststellen und ich habe bereits überlegt in die Klinik zu fahren. Die Damen in meinem Stall haben mir empfohlen erst einmal einen Physiotherapeuten zu holen, der diese fast öfters besucht als der Reitlehrer da ist. Mein Tierarzt, etwas älter – aber eigentlich kompetent, hält aber von Physios und anderen Therapeuten nicht viel. Nun haben mir meine schlauen Damen auch immer wieder gesagt, dass die Lahmheit auch von hinten kommen könnte. Ist das richtig und soll ich nun Klinik oder Therapeuten wählen?

Lieber Werner, danke für Dein Lob und dass Dir der HORSEMAN so gut gefällt. Deine Frage ist sehr schwer zu beantworten, da es mit Ferndiagnosen immer sehr schwierig ist und gerade im Gesundheitsbereich vorsichtig sein muss. Die Frage, ob Du nun in die Klinik fahren sollst oder eher einen Physiotherapeuten hinzuziehst, möchten wir Dir nicht direkt beantworten, Dir aber gerne etwas helfen. Gerade ältere Tierärzte neigen manchmal dazu, moderne und alternative Heilmethoden zu unterschätzen. In den letzten Jahren ist die Ausbildung in diesen Bereichen aber sehr weit fortgeschritten und erfolgreich, somit also keine schlechte Wahl. Auch haben Deine Stallkolleginnen durch- aus Recht, was die Ursache der Lahmheit sein könnte, obwohl ein guter Tierarzt dies auch erkennen müsste. Hierzu möchten wir unsere Expertin Nadine Kruse (www.nk-pferdetherapie.de) zu Wort kommen lassen.

Unklare Lahmheiten und was das Becken damit zu tun haben könnte

Wenn das geliebte Pferd auf einmal lahmt, ist die Sorge des Besitzers groß und die Ursachenforschung beginnt. Meist wird zuerst ein Tierarzt zu Rate gezogen, was in jedem Fall eine gute Idee ist. Dieser untersucht, woher die Lahmheit kommen könnte. Ursachen können es sehr viele sein, die das Pferd unklar laufen lassen können.

Des Öfteren kann aber selbst ein guter Tierarzt, dem sämtliche diagnostischen Gerätschaften zur Verfügung stehen,

keine Ursache für die Lahmheit finden. Dann geht die verzweifelte Suche der Besitzer weiter.

Oft, natürlich nicht immer, ist der Grund ein ganz einfacher. Das Pferd hat einen Beckenschiefstand!

Klingt so simpel und fast jedes Pferd ist betroffen (die meisten Menschen ja auch), aber in vielen Fällen zieht sich die- ses Ungleichgewicht der Statik durch den ganzen Pferdekörper. Und da das Pferd im Gegensatz zum Menschen auf 4 Beinen steht, fällt dann natürlich auch das Ungleichgewicht in der Schulter des Pferdes auf, da ein Beckenschiefstand des Pferdes immer über die diagonale Schulter ausgeglichen wird. Dieser Ausgleich geht eine gewisse Zeit lang gut, so dass die Lahmheit dann auf einmal erst auffällt, wenn dieses Ungleichgewicht so stark ist, dass das Pferd nicht mehr in der Lage ist, es anders zu kompensieren.

Allzu oft erlebe ich in meiner täglichen Praxis Fälle, bei denen die Besitzer teilweise sehr erschrocken sind, über die Schiefe ihres Pferdes. Erst, wenn ich es ihnen zeige und die passenden Erklärungen dazu liefere, wird ihnen klar, dass dies in den meisten Fällen ein schleichender Prozess ist. Oft ist das Pferd schon längere Zeit, bevor die Lahmheit auftritt, anders beim Reiten. Die Auffälligkeiten sind vielfältig. Probleme beim Stellen und Biegen, das so genannte „Kurz-Lang-Treten“ der Hinterhand, die Hinterbeine können nicht mehr unter den Schwerpunkt des Pferdes fußen, die Pferde sind nicht mehr so gehfreudig oder haben Probleme in die Losgelassenheit zu kommen. Das alles können erste Hinweise darauf sein, dass etwas mit der Statik des Pferdes nicht stimmen könnte.

Natürlich gibt es auch das Gegenteil, dass ein Pferd zum Beispiel verunfallt, hinfällt, sich dabei komplett verdreht und sich so ganz schnell eine Lahmheit aufgrund falscher Statik zeigt.
In allen beiden Fällen liegt die Lösung nahe. Sobald die korrekte Statik des Pferdes wieder hergestellt ist, dürfte sich das Gangbild wieder normalisieren (wenn es ausschließlich daran lag). Es ist vom Therapeuten stets darauf zu achten, erst die Brückenkonstruktion, also Hinterhand und Vorderhand des Pferdes wieder einzurichten und dann den Rest des Pferdes zu behandeln.

Erschienen im horseman-magazin.de, Oktober 2020, S. 8-9

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